Ein Modul im Antriebsschrank ist ausgefallen, und auf dem Typenschild steht eine 6SN-Nummer. Hier steht, wie der Schrank aufgebaut ist, was die Nummer bedeutet, welches Modul Sie wirklich brauchen – und was Sie prüfen sollten, bevor Sie ein teures Leistungsteil bestellen.
Dafür sind Sie hier richtig
- Die 6SN-Bestellnummer lesen und das richtige Ersatzmodul bestimmen
- Verstehen, warum Leistungsteil und Regelungsbaugruppe zwei verschiedene Dinge sind
- Geprüfte gebrauchte Module und Motoren aus dem Lager – für eine Baureihe, die neu kaum noch zu bekommen ist
- Nicht gefunden heißt nicht: nicht vorhanden. Ein erheblicher Teil des Lagers ist noch nicht eingestellt
Dafür ist der Hersteller die bessere Adresse
- Neuteile und Umstiegsberatung auf aktuelle Antriebsgenerationen
- Parametrierung, Inbetriebnahme und Antriebsdiagnose vor Ort
- Instandsetzung von Leistungsteilen und Motoren
- Alles, was bei laufendem Vollbetrieb garantiert innerhalb von Stunden da sein muss
Der teuerste Irrtum: Das Leistungsteil wird getauscht, obwohl die aufgesteckte Regelungsbaugruppe das Problem war – oder umgekehrt. Beim SIMODRIVE 611 sind das zwei getrennte Baugruppen mit zwei getrennten Bestellnummern. Wer nur die Nummer vom Leistungsteil abliest, hat erst die halbe Information.
Wie der Antriebsschrank aufgebaut ist
SIMODRIVE 611 ist kein einzelnes Gerät, sondern ein modulares System. Die Module stehen nebeneinander auf einer Hutschiene und sind über Kupferschienen zu einem gemeinsamen Gleichstrom-Zwischenkreis verbunden. Das erklärt, warum ein einzelner Modultausch überhaupt möglich ist – und warum die Reihenfolge und Breite der Module stimmen muss.
| Baugruppe | Aufgabe | Woran Sie sie erkennen |
|---|---|---|
| Netzfilter und Kommutierungsdrossel | Entstörung und Netzanpassung vor der Einspeisung | Meist ganz links; im Bestand zum Beispiel als 6SN1111-0AA01-1BA0
|
| Einspeisemodul | Erzeugt aus dem Drehstromnetz die Zwischenkreisspannung für alle Achsen | Breitestes Modul, mit Netzanschluss und Zwischenkreis-Schienen |
| Leistungsteil (LT-Modul) | Endstufe je Achse – macht aus der Zwischenkreisspannung den Motorstrom | Angabe wie INT. 15A oder INT. 2x8A auf dem Schild; im Bestand als 6SN1123-1AA00-0AA1, 6SN1123-1AA00-0HA1, 6SN1123-1AB00-0HA1
|
| Regelungsbaugruppe | Steckt vorn im LT-Modul und bestimmt, ob analog, digital oder universal geregelt wird | Eigene Bestellnummer, eigene Steckerleiste; nicht mit dem LT-Modul verwechseln |
| Motor | Permanentmagnet-Servomotor mit Geber | Reihen 1FT5 (älter) und 1FK6 (kompakter, neuer) |
Was „INT. 15A“ und „2x8A“ bedeuten
INT. steht für interne Kühlung – die Wärme geht in den Schaltschrank. Daneben gibt es Ausführungen mit Durchzugskühlung, bei denen der Kühlkörper durch die Rückwand ragt. Diese Bauformen sind nicht gegeneinander austauschbar, auch wenn Strom und Nummer sonst passen.
Die Amperezahl ist der Nennstrom je Achse. 2x8A bedeutet ein Doppelachsmodul mit zweimal 8 A – ein solches Modul versorgt zwei Achsen und ist entsprechend anders verdrahtet als ein Einachsmodul.
Was Sie ablesen sollten, bevor Sie bestellen
| Angabe | Wo sie steht |
|---|---|
| 1. Vollständige 6SN-Nummer des Leistungsteils | Typenschild an der Modulfront, inklusive der Endziffern nach dem letzten Bindestrich |
| 2. Nummer der aufgesteckten Regelungsbaugruppe | Eigenes Schild auf der Steckbaugruppe – dafür muss sie meist herausgezogen werden |
| 3. Stromangabe und Kühlart | Klartext auf dem Schild: INT. oder Durchzugskühlung, Ampere je Achse |
| 4. Motortyp der betroffenen Achse | Typenschild am Motor, Reihe 1FT5 oder 1FK6 mit vollständigem Schlüssel |
| 5. Foto der kompletten Modulreihe | Zeigt Reihenfolge, Breiten und ob ein Doppelachsmodul verbaut ist |
Mit diesen fünf Angaben lässt sich fast immer ohne Rückfrage klären, ob ein Modul aus unserem Bestand passt. Die Maschinennummer hilft an dieser Stelle nicht weiter – dafür bräuchte es den Teilekatalog des Maschinenherstellers.
Was typischerweise ausfällt
| Bauteil | Was passiert | Woran Sie es merken |
|---|---|---|
| Elektrolytkondensatoren im Zwischenkreis | Trocknen über die Jahre aus – der klassische Alterungsschaden bei Antrieben dieser Generation | Zwischenkreisfehler beim Zuschalten, Modul läuft warm, Fehler häufen sich ohne äußeren Anlass |
| Lüfter im Modul | Lager laufen aus, Staub setzt das Rad zu | Geräusch, Übertemperaturmeldung, Abschaltung unter Last |
| Endstufe im Leistungsteil | Durchlegierung nach Kurzschluss im Motorkabel oder in der Wicklung | Sofortabschaltung, oft mit sichtbarer Spur; Sicherung im Einspeisemodul spricht an |
| Motorgeber | Verschmutzung, Kabelbruch an der beweglichen Schleppkette | Achse verliert Referenz, ruckt oder meldet Geberfehler – obwohl der Antrieb in Ordnung ist |
| Motorlager | Betriebsstundenabhängiger Verschleiß | Laufgeräusch, Rundlauffehler, erhöhte Stromaufnahme |
| Steckverbinder und Schirmklemmen | Kontaktprobleme durch Vibration und Alterung | Sporadische Fehler, die beim Anfassen des Kabels kommen und gehen |
Bevor ein Leistungsteil bestellt wird, lohnt fast immer diese Reihenfolge: Motorkabel und Schirmung prüfen, Geberleitung an der Schleppkette bewegen, Lüfter kontrollieren, Steckverbinder nachziehen. Ein erheblicher Teil der vermeintlichen Modulschäden sitzt in der Verkabelung.
Neu, gebraucht oder Umbau?
Neu ab Werk ist bei dieser Antriebsgeneration nur noch eingeschränkt möglich – SIMODRIVE 611 ist eine Baureihe der 1990er und 2000er Jahre. Wo der Hersteller noch liefert oder einen Umstieg anbietet, ist er die richtige Adresse, insbesondere wenn Parametrierung und Inbetriebnahme dazugehören sollen.
Ein geprüftes gebrauchtes Modul ist in der Praxis häufig der schnellste und mit Abstand günstigste Weg zurück in die Produktion – vor allem, weil die übrigen Achsen des Schranks unverändert weiterlaufen und nichts neu parametriert werden muss.
Der komplette Umbau auf eine aktuelle Antriebsgeneration ist technisch sauber, bedeutet aber Schaltschrank, Verkabelung, Motoren und Steuerungsanbindung. Bei einer Maschine, die noch fünf Jahre laufen soll, steht dieser Aufwand meist in keinem Verhältnis zum Restwert.
Häufige Fragen
Nein. Leistungsteil und aufgesteckte Regelungsbaugruppe haben getrennte Bestellnummern. Ohne die zweite Nummer lässt sich nicht sagen, ob ein Ersatzmodul in Ihrer Konfiguration arbeitet.
Nur mit Vorbehalt. Größere Module bauen breiter, brauchen mehr Platz auf der Zwischenkreisschiene und können eine andere Kühlart haben. Prüfen Sie Breite, Kühlung und Einspeiseleistung, bevor Sie das planen.
Interne Kühlung – die Verlustwärme bleibt im Schaltschrank. Die Alternative ist Durchzugskühlung mit Kühlkörper durch die Rückwand. Beide Bauformen sind mechanisch nicht gegeneinander austauschbar.
Das ist kein reiner Tausch. Flansch, Wellenmaß, Gebersystem und Parametrierung können abweichen. Bei einem Ersatzfall bleibt man in aller Regel bei derselben Reihe und demselben vollständigen Typenschlüssel.
Meistens nicht. Prüfen Sie zuerst die Geberleitung an der Schleppkette und die Schirmung. Ein Kabelbruch, der sich nur in Bewegung zeigt, erzeugt genau dieses Fehlerbild.
SIMODRIVE 611 findet sich quer durch den Maschinenbau. In der Holzbearbeitung trifft man es unter anderem an Plattenaufteilanlagen und CNC-Bearbeitungszentren der neunziger und frühen zweitausender Jahre – also genau der Generation, deren Teile heute gesucht werden.
Weil sie hier nicht erst als Gebrauchtteil aufgetaucht sind. Ab 1996 lief die Werksvertretung für IMA in unserem Gebiet, rund sieben Jahre lang – also in der Zeit, in der genau diese Maschinen ausgeliefert und in Betrieb genommen wurden. Diese Vertretung besteht heute nicht mehr; das Wissen über die Baureihen schon.
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Rechtlicher Hinweis: Die Gerhard Sondermann GmbH ist ein unabhängiger Händler und steht aktuell in keiner Geschäftsbeziehung zu den genannten Herstellern. Marken-, Typ- und Bestellnummern werden ausschließlich zu Referenz- und Identifikationszwecken genannt, um die Verwendbarkeit der angebotenen Teile zu beschreiben. Angebotene Teile sind, sofern nicht ausdrücklich als Originalteil gekennzeichnet, kompatible Ersatz- oder Gebrauchtteile. Eine Beschaffung von Originalersatzteilen ab Werk sowie Reparatur-, Parametrier- und Serviceleistungen werden nicht angeboten. Arbeiten an Antriebsschränken dürfen nur von Elektrofachkräften ausgeführt werden. Technische Angaben ohne Gewähr; maßgeblich sind stets die Unterlagen des Maschinen- und Antriebsherstellers.