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Bohr-, Fräs- und Sägeaggregate – Passung, Schnittstellen und Verschleiß

Ein Aggregat ist ausgefallen, oder Sie haben eines gefunden und wollen wissen, ob es auf Ihre Maschine passt. Hier stehen die drei Dinge, die darüber entscheiden – und was an einem Aggregat zuerst kaputtgeht.

Dafür sind Sie hier richtig

  • Vor dem Kauf prüfen, ob ein Aggregat wirklich passt – nicht nur geometrisch
  • Werkzeugschnittstelle Ihrer Spindel bestimmen (HSK-F63, HSK-F50, ISO30)
  • Herstellerspezifische Aggregateschnittstellen auseinanderhalten
  • Geprüfte gebrauchte Aggregate aus dem Lager, auch für abgekündigte Baureihen
  • Nicht gefunden heißt nicht: nicht vorhanden – ein erheblicher Teil des Lagers ist noch nicht eingestellt

Dafür ist der Hersteller die bessere Adresse

  • Neuaggregate ab Werk mit Garantie und exakter Zuordnung
  • Teilesuche allein über die Maschinennummer
  • Aggregatrevision, Lagertausch und Serviceeinsätze
  • Alles, was bei laufendem Vollbetrieb garantiert innerhalb von Stunden da sein muss

Der häufigste Fehlkauf: Ein Aggregat mit der richtigen HSK-Aufnahme, das trotzdem nicht läuft – weil die Verdrehsicherung der Maschine eine andere ist. Geometrisch passend heißt nicht funktional passend. Deshalb steht das hier an erster Stelle.

124Bohr-, Fräs- & Sägeaggregate
292Aggregate gesamt
HSK-F63heutiger Standard
DIN 69893Norm für HSK
3Prüfpunkte vor dem Kauf

Wofür ein Aggregat da ist

Die Hauptspindel eines Bearbeitungszentrums steht senkrecht. Sobald Sie horizontal bohren, seitlich fräsen, nuten oder sägen wollen, brauchen Sie ein Aggregat: ein Gehäuse mit eigener Werkzeugaufnahme und einem Getriebe, das die Drehbewegung der Spindel umlenkt. Das Aggregat wird wie ein Werkzeug in die Spindel eingewechselt – der Antrieb kommt weiter von der Maschine.

Weil das Gehäuse selbst nicht mitdrehen darf, braucht es eine Verdrehsicherung. Genau daran scheitern die meisten Fehlkäufe.

Die drei Fragen, die über die Passung entscheiden

1. Welche Werkzeugschnittstelle hat Ihre Spindel?

Das ist die Verbindung zwischen Spindel und Aggregat. In der Holzbearbeitung sind drei Systeme verbreitet:

System Merkmal Typischer Zeitraum
HSK-F63 Hohlschaftkegel nach DIN 69893. Hohl, kurz, mit zusätzlicher Plananlage an der Stirnfläche. Kein Einzugsbolzen nötig. Rund 30 % kleiner und 50 % leichter als ein Steilkegel, dabei steifer und für höhere Drehzahlen geeignet – mit steigender Drehzahl wächst die Klemmkraft. ab Ende der 1990er bis heute Standard
HSK-F50 Gleiche Bauart, kleiner. Wurde in den 1990ern eingeführt, die Spannkräfte erwiesen sich in manchen Situationen als zu gering und wurden ab Ende der 1990er durch HSK-F63 ersetzt. 1990er Jahre
ISO30 / SK30 Steilkegel mit Einzugsbolzen. Nicht selbsthemmend – das ist die Voraussetzung für den automatischen Werkzeugwechsel. Kompakt und leicht, aber kleinere Kontaktfläche und geringere Spannkräfte. Sonderform mit Ringverzahnung bei SCM und Morbidelli. bis Mitte der 2000er

Auf sehr alten Maschinen finden sich außerdem ISO40 (SK40) und der Morsekonus MK2. Der Morsekonus ist selbsthemmend und erlaubt deshalb keinen automatischen Werkzeugwechsel – solche Maschinen werden von Hand bestückt.

Praktisch unterscheiden: HSK ist hohl, kurz und liegt zusätzlich mit der Stirnfläche an. Der Steilkegel ist ein voller, längerer Kegel mit eingeschraubtem Einzugsbolzen am Ende. Leiten Sie die Schnittstelle nie allein aus dem Maschinentyp ab – dieselbe Baureihe wurde über die Jahre mit unterschiedlichen Spindeln gebaut.

2. Wie ist die Verdrehsicherung gelöst?

Das Aggregatgehäuse wird über eine Drehmomentstütze gegen Mitdrehen gesichert. Dafür gibt es zwei Bauweisen: entweder eine C-Achse an der Maschine, die das Aggregat in jede Winkellage stellt, oder zwei beziehungsweise mehr versetzte Drehmomentstützen am Maschinenkopf. Beides ist nicht kompatibel.

Dazu kommen die herstellerspezifischen Aggregateschnittstellen. Sie sitzen zusätzlich zur Werkzeugschnittstelle und regeln, wie ein Aggregat verriegelt und geschwenkt wird:

Hersteller System
SCM / Morbidelli Penta-Schnittstelle, gemeinsam mit Benz entwickelt; Verriegelung über eine Kupplung mit Aufnahme am Maschinentisch. Höherwertige Variante: Prisma-Reihe.
HOMAG / WEEKE Flex 5, Flex 5 axis und Nachfolger
HOLZ-HER / IMA Vario NC und Vario NC Plus
FORMAT 4 / Felder 5-MOTION und 5-MOTION Plus
Biesse / HSD WiEnC

Ein Aggregat kann also die richtige HSK-Aufnahme haben und trotzdem nicht passen. Wenn Sie unsicher sind: Foto von der Aufnahme und vom Maschinenkopf schicken, das ist in zwei Minuten geklärt und billiger als eine Rücksendung.

3. Stimmen Drehzahl, Drehrichtung und Übersetzung?

Aggregate haben ein Getriebe mit fester Übersetzung – 1:1, ins Schnelle oder ins Langsame. Aus der Spindeldrehzahl wird damit eine andere Werkzeugdrehzahl. Prüfen Sie die zulässige Maximaldrehzahl des Aggregats gegen die tatsächliche Spindeldrehzahl und achten Sie auf die Drehrichtung; bei einigen Winkelgetrieben kehrt sie sich um. Beim Sägeaggregat kommt der Sitz des Blatts dazu, beim Mehrspindel-Bohraggregat das Bohrraster.

Was an einem Aggregat zuerst verschleißt

Bauteil Was passiert Woran Sie es merken
Lager der Abtriebswelle Dauerbelastung durch Fräskräfte, oft in Kombination mit Spänen und Feuchtigkeit Geräusch, spürbares Spiel an der Welle, Rundlauffehler im Fräsbild
Kegelräder im Winkelgetriebe Zahnflankenverschleiß, verstärkt durch Fettmangel Heulen unter Last, Metallabrieb im Fett
Wellendichtringe Werden hart, verlieren Fett und lassen Staub herein Fettaustritt am Gehäuse, Staubeintrag
Aufnahmekegel / Plananlage Druckstellen und Passungsrost, wenn mit Spänen gewechselt wird Aggregat sitzt nicht mehr sauber, Rundlauf verschlechtert sich
Drehmomentstütze und Anlageflächen Ausschlagen durch ständiges Ein- und Auswechseln Spürbares Spiel, das Aggregat setzt sich beim Anlaufen
Spannzangen und Halter im Aggregat Verbrauchsmaterial – Spannzangen weiten sich auf Werkzeug rutscht oder läuft unrund, obwohl das Aggregat in Ordnung ist

Wenn das Aggregat Probleme macht

Was Sie feststellen Woran es meistens liegt
Unruhiges Fräsbild, welliger Schnitt Erst Aufnahme reinigen und Reinigungsluft prüfen, dann Spannzange tauschen, erst danach Aggregatlager verdächtigen
Werkzeug rutscht im Aggregat durch Spannzange ausgeweitet oder falsche Größe; Spannmutter mit dem falschen Moment angezogen
Aggregat wird heiß Fettmangel im Getriebe oder Lagerschaden im Anfangsstadium – nicht weiterfahren
Aggregat dreht sich beim Anlaufen mit Drehmomentstütze nicht eingerastet, ausgeschlagen oder falsche Bauart für diese Maschine
Wechsler setzt das Aggregat nicht sauber ab Greifer beziehungsweise Greifernut verschlissen oder Wechslerposition dejustiert
Aggregat lässt sich nicht lösen Löseeinheit ohne Druck, Spannsatz klemmt; beim Steilkegel verkanteter Einzugsbolzen

Die Reihenfolge lohnt sich: erst reinigen, dann Halter und Spannzange gegen ein bekannt gutes Teil tauschen, dann die Klemmkraft prüfen – und erst zum Schluss das Aggregat oder die Spindel verdächtigen. Der umgekehrte Weg kostet regelmäßig eine Revision, die nicht nötig gewesen wäre.

Neu oder gebraucht – was sich wann rechnet

Neu ab Werk ist richtig, wenn die Anlage im Vollbetrieb steht und Stillstand teurer ist als die Preisdifferenz, wenn Garantie oder eine dokumentierte Instandsetzung verlangt wird, oder wenn die Baureihe noch läuft und das Aggregat kurzfristig lieferbar ist. Die Maschinenhersteller unterhalten dafür umfangreiche Lager.

Ein geprüftes gebrauchtes Aggregat lohnt sich, wenn die Baureihe abgekündigt ist, wenn ein Reserveaggregat ins Regal soll, wenn ein Sonderaggregat nur gelegentlich gebraucht wird – oder wenn der Neupreis in keinem Verhältnis zum Restwert der Maschine steht. Genau an dieser Stelle entscheidet sich bei älteren Anlagen regelmäßig, ob weiter produziert oder verschrottet wird.

Häufige Fragen

Kann ich ein HSK-F50-Aggregat in einer HSK-F63-Spindel verwenden?

Nein. Die Größenangabe bezeichnet unterschiedliche Geometrien; ein Adapter ist hier nicht der übliche Weg. Die Schnittstelle muss übereinstimmen.

Passt ein Aggregat eines anderen Maschinenherstellers?

Manchmal ja – entscheidend sind Werkzeugschnittstelle und Verdrehsicherung, nicht das Logo. Viele Aggregate kommen ohnehin von Zulieferern wie Benz oder Atemag und laufen bei den Maschinenherstellern unter eigener Nummer. Bei den proprietären Systemen (Penta, Flex 5, Vario NC, 5-MOTION, WiEnC) ist die Antwort dagegen meist nein.

Warum steht bei HSK ein „F“?

Der Buchstabe bezeichnet die Bauform innerhalb der DIN 69893. Form F ist die in der Holzbearbeitung übliche; in der Metallbearbeitung sind andere Formen verbreitet, unter anderem HSK-E63. E und F sind nicht austauschbar.

Ist ISO30 dasselbe wie SK30?

Ja, zwei gebräuchliche Bezeichnungen für dieselbe Steilkegelgröße. Ebenso ISO40 und SK40.

Was schicke ich mit, damit die Zuordnung klappt?

Ein Foto der Aufnahme von unten, ein Foto des Maschinenkopfs mit der Drehmomentstütze, die Typbezeichnung auf dem Aggregat und – falls bekannt – die Spindeldrehzahl. Damit ist die Frage meistens ohne Rückfrage geklärt.

Lohnt sich die Instandsetzung eines Aggregats?

Bei Lager- und Dichtungsschaden häufig ja, bei Getriebeschaden selten. Instandsetzungen führen wir selbst nicht durch – dafür gibt es spezialisierte Werkstätten und den Hersteller. Was hier steht, ist die Einordnung, damit Sie nicht das Falsche beauftragen.

Woher kennen Sie diese Maschinen so genau?

Weil sie hier nicht erst als Gebrauchtteil aufgetaucht sind. Ab 1996 lief die Werksvertretung für IMA in unserem Gebiet, rund sieben Jahre lang – also in der Zeit, in der genau die Maschinen ausgeliefert und in Betrieb genommen wurden, deren Aggregate heute gesucht werden. Diese Vertretung besteht heute nicht mehr; das Wissen über die Baureihen schon.

Aggregate im Shop

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Winkelköpfe im Detail: Bauformen, Begriffe und Auswahlkriterien stehen im Artikel CNC-Winkelaggregate & Winkelköpfe. Zum Werkzeugwechsel: Werkzeugwechsler & Werkzeughalter.

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Rechtlicher Hinweis: Die Gerhard Sondermann GmbH ist ein unabhängiger Händler und steht aktuell in keiner Geschäftsbeziehung zu den genannten Herstellern. Marken-, System- und Artikelnummern werden ausschließlich zu Referenz- und Identifikationszwecken genannt, um die Verwendbarkeit der angebotenen Teile zu beschreiben. Angebotene Teile sind, sofern nicht ausdrücklich als Originalteil gekennzeichnet, kompatible Ersatz- oder Gebrauchtteile. Eine Beschaffung von Originalersatzteilen ab Werk sowie Reparatur- und Serviceleistungen werden nicht angeboten. Technische Angaben ohne Gewähr; maßgeblich sind stets die Unterlagen des Maschinenherstellers.